| Spezialisiertes Verzeichnis - TLDs - Neues von .at, .eu und .xxx |
(Autor: RA Florian Hitzelberger, 27.12.2011) Zwei Quartalsberichte und ein Skandal: zum Schluss des Jahres zeigt die Domain-Welt nochmals ihre Vielfalt. So geben .at sowie .eu einen Blick hinter die Kulissen, während .xxx allen Cybersquattern den Kampf ansagt, um sich möglicherweise selbst zu schaden - hier die Kurznews.
Die österreichische Registry Nic.at hat den .at-Report neu aufgelegt. Die Schlussausgabe des Jahres 2011 ist der Rechtsabteilung gewidmet, die es in den letzten elf Jahren mit 1.200 .at-Streitigkeiten zu tun bekommen hat; lediglich ein Zehntel landete allerdings vor Gericht. Wird Nic.at dediziert auf eine Rechtsverletzung hingewiesen, gelangt eine .at-Domain üblicherweise in den Wartestatus, bis sich die Parteien geeinigt haben oder eine rechtskräftige Gerichtsentscheidung vorliegt; bis dahin kann eine Domain nicht übertragen werden. Im Jahr 2010 gab es zum Beispiel 88 solcher Fälle, wobei die Tendenz rückläufig ist: die Rechtslage kann man inzwischen als gut ausjustiziert bezeichnen. Welchen Wert Domains gewonnen haben, zeigt auch die Insolvenzstatistik von Nic.at: in den letzten fünf Jahren waren 10.823 .at-Domains von Insolvenzverfahren betroffen. Und auch Pfändungen von Domains kamen in den letzten fünf Jahren verstärkt vor. Alles in allem glänzt der .at-Report mit einem fundierten Einblick und kann daher nicht nur Juristen empfohlen werden.
Bei soviel geballtem Wissen will auch EURid, die Brüsseler .eu-Verwaltung, nicht hinten anstehen. Im .eu-Fortschrittsbericht für das dritte Quartal 2011 hebt EURid vor allem hervor, dass in den jüngeren EU-Mitgliedsstaaten Bulgarien, Litauen und Rumänien die Zahl der Registrierungen überdurchschnittlich hoch ist. Insgesamt konnte .eu zwischen August und Oktober 2011 um 67.325 Domains zulegen, umgerechnet ein Anstieg von 2,0 Prozent. Mit insgesamt 3.413.726 Domains bleibt .eu unter den Top-5 der ccTLD-Weltrangliste, wenn auch nur knapp vor Chinas .cn. Bei weitem noch nicht ausgeschöpft scheint das Potential an internationalisierten Domain-Namen, die lediglich 1,7 Prozent aller Registrierungen ausmachen. In Sachen Sicherheit und Stabilität ist EURid ebenfalls ein Stück vorangekommen: im Rahmen einer Business-Continuity-Übung hat man den Disaster-Recovery-Plan intensiv auf die Probe gestellt - und das mit Erfolg: die .eu-Infrastruktur hat ihre Zuverlässigkeit unter Beweis gestellt.
ICM Registry Inc., Verwalterin der Porno-Domain .xxx, greift im Kampf gegen Cybersquatting hart durch: nachdem mehrere Fälle eklatanter Rechtsverletzungen durch eine Handvoll von Einzelpersonen bekannt wurden, hat sich ICM für eine Suspendierung der betroffenen Adressen entschieden. Hierzu zählen unter anderem businessweek.xxx, cnbc.xxx, geocities.xxx, nextag.xxx, snapfish.xxx, verizonwireless.xxx, washingtonpost.xxx oder gayroom.xxx. Insgesamt sollen nach unbestätigten Meldungen über 70 .xxx-Domains betroffen sein. Allerdings begibt sich die Registry damit auf dünnes Eis: die Entscheidung, die Domains zu suspendieren, traf die Verwalterin ohne Überprüfung durch ein Schiedsverfahren oder gar ein ordentliches Gericht, allein aufgrund eines behaupteten Verstosses gegen Vergaberegeln. Auch wenn die Fälle eindeutig scheinen: das Risiko, dass der Inhaber doch zur Registrierung berechtigt war, bleibt. Zudem könnte sich so mancher Rechteinhaber veranlasst sehen, ICM Registry auch ohne förmliches Schiedsverfahren zur Sperrung aufzufordern. Gut möglich also, dass ICM Registry sein rigides Vorgehen noch bedauert.
(Quelle: Domain-Magazin von domain-recht.de)
Weitere Informationen unter: www.domain-recht.de und www.united-domains.de
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